Logistik & Lieferketten · 3. August 2026

US-Hafengebühren für China-Schiffe: Was ab November 2026 droht

Die Aussetzung der US-Hafengebühren für in China gebaute Schiffe läuft am 10. November 2026 aus. Ein neues DIW-Gutachten zeigt, warum das auch deutsche Importeure betrifft.

Frist rückt näher: 10. November 2026 als Wendepunkt

Seit dem 10. November 2025 sind die US-Hafengebühren für Schiffe mit China-Bezug für ein Jahr ausgesetzt. Sofern keine Verlängerung vereinbart wird, treten die Gebühren am 10. November 2026 wieder in Kraft. Das betrifft nicht nur chinesische Reedereien, sondern potenziell den gesamten Containerverkehr zwischen China und Europa, weil ein Großteil der weltweit eingesetzten Schiffe in China gebaut wurde.

Grundlage der Maßnahme ist eine Section-301-Untersuchung der US-Regierung zu Chinas Einfluss im maritimen Sektor. Germany Trade & Invest (GTAI) dokumentiert die Gebührenstruktur, die ab Oktober 2025 zunächst galt: Für in China gebaute Schiffe, die von Unternehmen außerhalb Chinas betrieben werden, fällt der höhere Betrag aus 18 US-Dollar pro Nettotonne oder 120 US-Dollar pro entladenem Container an. Für chinesisch betriebene oder chinesisch besessene Schiffe beträgt die Abgabe 50 US-Dollar pro Nettotonne, mit einer geplanten Steigerung auf 140 US-Dollar bis April 2028.

DIW-Analyse: Chinas Dominanz im Schiffbau als geopolitisches Risiko

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat Ende Juli 2026 im Wochenbericht 28/2026 eine umfangreiche Analyse zu den Folgen dieser Politik veröffentlicht. Die Kernbotschaft: Chinas Dominanz im Schiffbau ist zu einem neuen geopolitischen Risiko im Seehandel geworden.

Die Zahlen sind eindeutig: China wird im Jahr 2025 mehr als die Hälfte aller neu gebauten Handelsschiffe weltweit produzieren. Der Marktanteil der EU ist bei neu gebauten Handelsschiffen in den letzten 30 Jahren von 17 auf weniger als drei Prozent gesunken. In China gebaute Schiffe sind damit fest in globalen Handels- und Transportströmen verankert, auch bei europäischen Exporten in die USA.

Besonders relevant für deutsche Importeure: Die negativen wirtschaftlichen Folgen der US-Hafengebühren treffen laut DIW eher die USA als China selbst, mit spürbaren Auswirkungen auf alle Exportländer, die auf den Transport mit in China gebauten Schiffen angewiesen sind. Die EU hat diese geopolitischen Bedrohungen in ihrer neuen maritimen Industriestrategie zwar erkannt, eine systematische Erfassung der Abhängigkeiten fehlt aber noch.

Welche Schiffe und Routen sind betroffen?

Die IHK Düsseldorf weist darauf hin, dass die Gebühren seit dem 14. Oktober 2025 für Schiffe gelten, die in China gebaut, betrieben oder besessen werden, sowie für alle im Ausland gebauten Fahrzeugträgerschiffe. LNG-Tanker sind ausgenommen. Die Abgabe wird pro Reise erhoben und ist auf maximal fünf gebührenpflichtige Anläufe pro Schiff und Jahr begrenzt.

Laut US-Regierung wurden 2023 mehr als 50 Prozent aller Containerschiffe in China gebaut. China kontrolliert zudem rund 95 Prozent der weltweiten Containerproduktion. Das bedeutet: Fast alle großen Linienreedereien, die auch die China-Europa-Route bedienen, wären bei einer Wiederinkraftsetzung der Gebühren betroffen, sofern sie US-Häfen anlaufen.

Bereits jetzt reagieren Reedereien auf das Risiko: GTAI berichtet, dass Schifffahrtsunternehmen ihre Routen diversifizieren und wöchentliche Verbindungen in die USA reduzieren. Es ist zu erwarten, dass US-Routen zunehmend von in Südkorea gebauten Frachtern bedient werden. Für die China-Europa-Route bedeutet das eine mögliche Kapazitätsverschiebung, die Frachtraten und Verfügbarkeit beeinflussen kann.

Auswirkungen auf den China-Europa-Verkehr

Der direkte Effekt auf die Seefrachtraten China-Europa ist bisher begrenzt, weil die Gebühren nur für US-Häfen gelten. Indirekt entstehen jedoch Risiken:

  • Reedereien, die bisher kombinierte Dienste (China-Europa-USA) anbieten, müssen ihre Flotteneinsatzplanung anpassen. Schiffe, die nicht in US-Häfen einlaufen dürfen oder sollen, könnten verstärkt auf der Europa-Route eingesetzt werden, was kurzfristig die Kapazität erhöht.
  • Umgekehrt könnten Reedereien Schiffe aus dem Europa-Trade abziehen, um lukrativere Routen mit nicht-chinesischen Schiffen zu bedienen, was die Kapazität auf der China-Europa-Route verknappen würde.
  • Der Rückgang chinesischer Exporte in die USA hat laut GTAI bereits dazu geführt, dass chinesische Exporteure verstärkt versuchen, ihre Produkte in Europa abzusetzen. Häfen wie Rotterdam, Antwerpen und Hamburg arbeiten dadurch an ihrer Kapazitätsgrenze.

Praktische Hinweise für deutsche Importeure

Für Unternehmen, die Waren aus China nach Deutschland oder in die EU importieren, ergibt sich aus der aktuellen Lage konkreter Handlungsbedarf. Bis zum 10. November 2026 besteht noch Planungssicherheit, da die Aussetzung der Gebühren gilt. Ob eine weitere Verlängerung vereinbart wird, ist derzeit offen. Importeure sollten ihre Spediteure und Reedereien aktiv nach möglichen Aufschlägen ab November 2026 befragen und Langfristverträge mit entsprechenden Klauseln prüfen.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Flottenstruktur der eingesetzten Carrier zu kennen: Werden die Schiffe auf der gebuchten Route in China gebaut? Laufen diese Schiffe auch US-Häfen an? Antworten auf diese Fragen helfen, das Risiko von Kostenerhöhungen oder Routenänderungen frühzeitig einzuschätzen. Weiterführende Informationen stellt GTAI bereit, die IHK Düsseldorf hat zudem ein Prüfschema zu den US-Hafengebühren veröffentlicht.

Seefracht Logistik US-Handelspolitik China-Import

Recherche KI-gestuetzt, redaktionell geprueft von Johnny Wan.

Dieser Marktbericht wurde redaktionell zusammengestellt und gibt den öffentlich verfügbaren Informationsstand zum Veröffentlichungsdatum wieder. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte zu Zollsätzen, Verordnungen und Fristen erhalten Sie bei den zuständigen Behörden (Zoll.de, BAFA, EU-Kommission, IHK, GTAI).

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